"Im Sommer 1917 kam Rainer Maria Rilke für einige Wochen nach Böckel. Im eigentlichen Wohnhaus, dem neueren Flügel der achziger Jahre, in Zimmern von beliebiger Höhe und Ausmaß, ohne Obwalten der inneren bestimmenden Gesetze schien er mir nicht denkbar. Darum richtete ich ihm drei Zimmer im alten Turmgebäde ein.
Im eigentlichen Turm das kleine Schlafzimmer. Daß man dort zu später Stunde gelegentlich die Eulen fauchen hört, störte ihn nicht. Das etwas größere Zimmer daneben für Frühstück und Mittagsruhe, und daneben das große mit den tiefen Fensternischen zum Auf- und Abschreiten bei der Arbeit. Der einstige Taufalter wurde zum Stehpult umgewandelt.
Der alte Gärtner hatte zum Glück Heliotrop gezogen, die ich in Töpfe gepflanzt an die beiden Fenster stellte - diese eigenförmigen dunkellila Sammetrosetten mit dem fast betäubenden Vanilleduft nannte Rilke seine Lieblingsblumen.
Ob der unendlich Zarte, Empfindsame sich behaglich fühlen würde auf unserem niedergelegenen Gutshof mit seinem schwerfälligen Dasein, zumal in der besonderen Verdunklung jenes vorletzten Kriegsjahres?"
aus H.Koenig "Meine Erinnerungen an Rainer Maria Rilke"
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Der bewohnte Turm von Rilke auf Gut Böckel.
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