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Phia Rilke
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"Es gibt Mütter, in deren Gegenwart man höchstens vierzehnjährig ist, ob man auch für gewöhnlich dreißig oder fünfzig Jahre zählen mag. Ich merkte plötzlich, daß Rilke steil vor sich niedersah - anders als sonst mit jenem Ausdruck gütiger Bescheidenheit, den er beim Eintritt in ein Zimmer, beim Niedersetzen zur Mahlzeit mitbrachte - es war ein kleiner weher, entmutigter Knabenzug; als hätte er soeben Tadel bekommen; obgleich nichts geschehen war als das Beraten und Aussuchen nach der langen »Ethos« -Speisekarte.
...Die nahe Verbundenheit mit ihrer katholischen Kirche war so stark fühlbar, daß es einem fast ungebührlich vorkam, neben dieser Frau in einem weltlichen Raum zu sitzen mit anderen als frommen Gedanken. Und doch: allem Äußeren abgewandt? Mir fiel der interessierte Blick auf, mir dem sie jedesmal meine Kleidung musterte, und daß es ihr wichtig war, gelegentlich sagen zu können: »Das steht ihnen reizend.«
Diese zitternden Hände, die unruhig suchenden Augen, dabei die entschiedene Stimme . . . selbst wenn sie zum Abschied sagte : »Gott befohlen«, so lag in diesem Gruß eine Anstrengung wichtigen Tuns.
...Im Sommer 1917 weilte Rilke längere Zeit auf meinem heimatlichen Gut in Westfalen. Bei den Mahlzeiten, auf Spaziergängen, kam das Gespräch gelegentlich auf seine Jugendzeit. So erzählte er, daß die Mutter einen Fehler des Schicksals durchaus korrigieren wollte, da sie nach dem Tode ihres ersten Kindes ein Mädchen gewünscht hatte statt eines Knaben; daß sie ihn lange blonde Locken tragen ließ, ihn anzog wie ein kleines Mädchen, um so lange wie möglich ihren Willen durchzusetzen..."
aus H. Koenig "Rilkes Mutter".
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