...Als Rainer Maria Rilke im ersten Münchner Kriegsherbst 1914, in der dortigen Galerie Thannhauser, ein großes Gemälde Pablo Picassos aus dem Jahre 1905, La Famille des Saltimbanques, entdeckte und erkannte es sogleich als "eines der entscheidenden Bilder unserer Malerei". Sein Brief an Hertha Koenig vom 4. November 1914 - der erste erhaltene Brief aus dieser Korrespondenz - veranlaßte daraufhin Frau Koenig, auf deren Bedeutung als Kunstsammlerin der gemeinsame ärztliche Freund Wilhelm Freiherr Schenk von Stauffenberg den Dichter aufmerksam gemacht hatte, das Bild für ihre Münchner Wohnung in der Widenmayerstraße zu erwerben.
Wenige Monate später wird der vor dem Krieg in Paris ansässige und nun wohnungs- und heimatlos gewordene Dichter, als vorübergehender Gast in eben dieser Wohnung, tatsächlich zum "Wächter am Picasso"; eingesetzt also in eine selbstgedeutete Funktion, die ihm "presque, par moment, le monde" eröffnet und ihm zugleich das entschwundene "Paris der allerersten Zeit" wieder heraufruft, das dann in der Mitte der Elegien, dichterisch verwandelt und erhöht, wiederkehren sollte:
"Plätze, o Platz in Paris, unendlicher Schauplatz [...]".
..."Nun gab es viele gute gemeinsame Stunden vor dem Bild. Rilke fand immer wider etwas, woran er sich erfreute. Das kleine schwarze Samtjäckchen des Kindes zu dem verwaschenen Rosa, das zarte Händchen auf dem Henkel des Blumenkorbes, das unvergleichlich einsame und doch dabei farbige Grau der spanischen Wüste hinter den großen Gestalten, der Tonkrug neben der sitzenden Frau."
aus H. Koenig "Meine Erinnerungen an Rilke".
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Pablo Picasso "Les Saltimbanques" (Die Gaukler) 1905 Nationalgalerie Washington/USA.
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